Mobilität im ambulanten Pflegedienst

Unsere Gründerin Steffi auf einem Fahrrad, Michael und Martin zu Fuß

In der Gründungsphase müssen wir sehr viele Entscheidungen treffen; eine besonders spannende ist die Frage nach der Mobilität. Wie kommen unsere Pflegekräfte zu unseren zu Pflegenden? Weil das ein wirklich interessantes Thema ist, nutze ich dies für meinen ersten Blogeintrag.

Wie ich das sehe

Für mich persönlich wäre die Entscheidung schnell getroffen; ich fahre seit 13 Jahren bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Hochschule, zur Arbeit, in den Supermarkt oder mit meinen Jungs zum Kindergarten. Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung. Aber die Entscheidung für unseren ambulanten Pflegedienst müssen wir natürlich differenzierter treffen. Grundsätzlich suche ich immer nach Möglichkeiten, unsere Verwaltung sehr schlank und effizient zu halten, damit unser Konzept, mehr Zeit für unsere Pflegekunden und glückliche Mitarbeiter, aufgeht. Wenn die Entscheidung für eine Alternative Mobilität bedeutet, dass unsere Mitarbeiter mehr Zeit für unsere zu Pflegenden haben, dann macht es wirklich Sinn dies genauer zu betrachten.

Wovon die Entscheidung abhängt

Die Antwort ist insbesondere von folgenden Faktoren abhängig.

  • Wo leben die zu Pflegenden?

  • Wie gut ist der öffentliche Nahverkehr ausgebaut?

  • Wie gut ist das Parkplatzangebot?

Würden wir unseren Dienst in Berlin starten, wäre die Entscheidung leicht getroffen. Wie z.B bei Pflegetiger, unserem Markbegleiter in Berlin. Die Pflegekräfte bewegen sich hauptsächliche mit dem öffentlichen Nahverkehr oder zu Fuß zu ihren zu Pflegenden. Mehr dazu unter www.pflege-tiger.de

Wir werden mit unserem Quartier in Cuxhaven starten. Cuxhaven hat 50.000 Einwohner und ein, entsprechend der Größe, ausgebautes Busnetz. Im Gegensatz zu der Berliner S-Bahn ist die Taktzeit der Busbetriebe Cuxhavens nicht sehr hoch. Aus diesem Grund bleiben uns, neben den Füßen, noch die Nutzung von Autos und E-Bikes. Insbesondere die E-Bikes stellen eine tolle Alternative, die ich folgend näher betrachten möchte.

Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand

Der teilweise Verzicht auf Dienstwagen spart Zeit, Geld und Nerven.

  • Die Leasingrate eines E-Bikes liegt bei etwa 40€ pro Monat, die eines Kleinwagen (wie z.B der VW UP) bei 120€/Monat. Beides inkl. Wartung und Versicherung. Unabhängig vom Wert liegt das Kostenverhältnis PKW zu Fahrrad immer bei 1/3. Insbesondere bei unserem Unternehmenskonzept, kommen die Ersparnisse im Endeffekt den Pflegekunden (Zeit) und unseren Mitarbeitern (Gewinnbeteiligung) zugute. Die entsprechenden Leasingraten erhalten wir kurzfristig vom örtlichen Autohaus bzw. Fahrradhändler.

  • E-Bikes sind in der Stadt häufig schneller als PKW bzw. genauso schnell

  • E-Bikes sind umweltfreundlich und tragen zu einem besseren Klima bei.

  • E-Bikes fördern die Gesundheit der Mitarbeiter!

  • Pflegekräfte ohne Führerschein können genauso gut ihre Arbeit leisten, wie ihre Kollegen mit Führerschein.

  • Anstatt nerviger Parkplatzsuche können die Mitarbeiter die Zeit bei den Pflegekunden verbringen oder einfach nur pünktlich sein. Zudem sparen sich Mitarbeiter und Pflegedienst Strafzettel.

  • E-Bikes können im Umkreis von 10 KM optimal genutzt werden und sind für Tagestouren bis 50 KM geeignet.

Natürlich gibt es auch Nachteile

  • E-Bikes bieten nicht den Komfort wie es PKW tun. Bei schlechtem Wetter haben die wenigsten Mitarbeiter Lust sich auf das Fahrrad zu setzen. Für diese Fälle muss es immer Alternativen geben. Eine Idee ist es auf den ÖPNV oder Carsharing überzugehen. In einer Kleinstadt wie Cuxhaven ist das nicht ganz so einfach. Essentiell ist aber auch, dass wir als Pflegedienst unseren Mitarbeitern Funktionskleidung zur Verfügung stellen.

  • Das Konzept „Pflege mit dem Rad“ muss passen. Beispielsweise der Transport aller Arbeitsmittel (Notfallkoffer) muss ohne Schwierigkeiten möglich sein

  • Passionierte Autofahrer von einem Fahrrad zu überzeugen ist eine Herkulesaufgabe. Kein Mensch bewegt sich gerne aus seiner Komfortzone.

  • Für lange Touren ist das E-Bike nicht geeignet; aus dem Grund muss eine Mindestmenge an PKW zur Verfügung stehen.

  • Unsere Mitarbeiter müssen aber auch z.T. die zu Pflegenden mitnehmen können (z. B. zum Arzt begleiten) – das geht selbstverständlich nicht ohne PKW

Der BUND Landesverband in Bremen hat im Zeitraum 2010 – September 2011 ein tolles Pilotprojekt zu dem Thema „Pflegedienste machen mobil“ in der Hansestadt gestartet.

https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/praxis/nachhaltiges-mobilitaetsmanagement-ambulanten

Ergebnis der im Anschluss geführten Mitarbeiterbefragung ist u.a., dass der Großteil der Tester zufrieden mit der Nutzung eines E-Bikes in der ambulanten Pflege ist.

Resümee

Wir werden in unserem Standort Cuxhaven mit einem Mobilitätsmix starten und unseren Mitarbeitern die Entscheidung überlassen. Wichtig ist uns, dass mindestens ein E-Bike zur Verfügung steht und es jeder Mitarbeiter per Rad testet. Insbesondere im Sommer stellt dies eine tolle Alternative da. In einem Umkreis von 5 Km sollte kein Mitarbeiter gezwungen werden müssen in das Auto zu steigen.